Gedanken · Selbstliebe

Du bist immer noch nicht gut genug!

Der Selbstverbesserungstrend und wie zum Teufel man damit umgehen soll

Von allen Seiten werden wir zugespamt mit Tipps und Tricks, um uns endlich besser zu machen. Mehr Motivation, produktiver arbeiten, besser aussehen, schlanker werden, besserer Sex, schönere Beziehungen, gesünder essen – vielleicht erzählt mir bald jemand auch etwas darüber wie ich effektiver Zähne putze oder Staub wische. Aber die Sache triggered mich immer wieder: Denn ich kann Stillstand überhaupt nicht ab. Ich möchte Dinge eben ändern mit denen ich unzufrieden bin und ich glaube auch, dass das möglich ist.

Aber, wie viel Selbstverbesserung macht uns tatsächlich besser? Und wie viel davon macht uns nur unglücklicher? Vorgegaukelt zu bekommen, dass alles noch viel besser geht, lässt uns vergessen, wie es ist zufrieden zu sein. Weil die Fitnessroutine noch nicht effektiv genug ist, die Ernährung weniger verarbeitete Lebensmittel vertragen könnte und die Zeit, in der ich arbeite, könnte ich doch viel besser nutzen. Aber vielleicht ist es gut, dass ich soviel Sport treibe, wie mir gut tut und auch das esse wonach ich mich manchmal fühle. Und vielleicht brauche ich eben viele Pausen am Schreibtisch und produziere lieber Qualität als Quantität.

Ganz gefährlich ist dabei der Vergleich: Denn es wir immer ein Ideal geschaffen, was mir vorgibt, wie ich sein könnte. Wie viel besser meine Beziehung sein könnte, weil jemand komplett fremdes macht das ja auch so. Jemand in dessen Leben und Kopf ich aber nicht reinschauen kann, jemand der das vielleicht auch nur so präsentiert – und selbst wenn es bei ihm oder ihr eben so klappt, dann muss das lange noch nicht das richtige für mich sein. Ich sehe mich dann immer gefangen in einem Strudel aus Verbesserungsmöglichkeiten und kann mich nicht mehr ausruhen auf den Dingen, die ich gut mache.

Dann ist da aber noch der andere Pol: Nichts machen und ändern ist eben auch nicht so das Wahre. Die Dinge, die ich erreicht habe, entstanden definitiv aus Motivation, etwas zu verändern. Wie soll ich also bitte damit umgehen? Und wie schaffe ich es dabei, trotzdem zufrieden mit mir selbst zu sein?

Ich denke wir sehen uns viel zu oft als funktionierende Maschine an, was wir eben nicht sind. Wir sind Menschen, mit Hochs und Tiefs, Emotionalität, Emotionslosigkeit, Freunde,Wut und Trauer, Begeisterung, aber auch Verzweiflung. Und das ist völlig okay. Lasst uns einfach mal anfangen, auf die Dinge zu sehen, die wir gut machen. Und anfangen, mit dem Hier und Jetzt zufrieden zu sein. Ich weiß, das ist ziemlich schwer. Aber es wird dich und mich glücklicher machen und motivieren weiterzumachen.

Ignorier einfach mal den ganzen Internetshit über Verbesserung und Veränderung, hör auf dich mit jedem und jeder zu vergleichen. Du bist du und das hat mit den ganzen Menschen da draußen erstmal herzlich wenig zu tun. Wenn du dich motivieren willst, bestimmte Dinge zu ändern, dann tu das. Mach das aus deiner eigenen Situation heraus mit deinen eigenen Bedingungen. Und gib dir die Zeit, die du brauchst. Setz dir Ziele, die dir persönlich wichtig sind. Scheißegal, ob das hippe instagrampostable Ziele sind oder ganz stille eigene. Mach das für dich.

 

Nachhaltigkeit · Tipps

Fünf kleine Schritte zur Nachhaltigkeit

[aus meinem alten Blog archiviert]

Nachhaltig leben liegt ja jetzt schon im Trend. Man kann sich also unmöglich noch widersetzen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Und wenn man dann erst mal dabei ist, merkt man, dass ein riesiger Brocken über einem selbst einstürzt.

Zumindest ging es mir so. Je mehr ich über das Thema wusste, desto mehr wurde mir bewusst, wie viel ich eigentlich ändern muss (wie viel ich eigentlich nicht wusste.). Und zwar so wie bei einer Hausarbeit zwei Tage vor Abgabe – ich hab noch nichts gemacht, es gibt so viel zu tun dass ich nicht weiß nicht mal wo ich anfangen soll, aber der Zeitdruck sitzt mir im Nacken. Denn es ist so gesehen fünf nach zwölf und allerhöchste Zeit wenigstens Schadensbegrenzung zu betreiben.

Und da steh ich und bin erst mal heillos überfordert. Denn im Grunde genommen mache ich alles falsch. Vielleicht geht es ja manchen von euch ähnlich wie mir. Das Schlimme dabei ist: Das Thema hat mich gepackt, ich möchte jetzt also unbedingt etwas tun – am liebsten Alles auf einmal – und merke, es ist chancenlos: ich schaffe gar nichts.

Ich bin weder Veganerin, noch Vegetarierin, ich benutze keine Menstruationstasse, in meinem Schrank sind immer noch Klamotten von H&M, ich besitze Schuhe aus Leder und Großkonzernsneaker.

Aber muss ich wirklich ein schlechtes Gewissen haben, wegen jedem Teil, was unter scheußlichen Bedingungen hergestellt wurde und seit Jahren in meinem Kleiderschrank hängt? Oder jeder Avocado, jeder Plastiktüte oder -verpackung, die sich einschleicht, jedem Coffee-to-go-Becher (oh, das waren viele…)? Oder jedem Flug, an dem ich für Hunderte von Kilos an CO2 verantwortlich bin?

Nein, das muss ich nicht.

Ich sollte eines haben, wenn mir das alles komplett am Arsch vorbeigeht. Aber definitiv nicht, weil ich damit überfordert bin. Was ich gelernt habe ist: Ich muss kleine Schritte gehen. Fehler zulassen und aus ihnen lernen.

Falls es euch auch so geht, habe ich hier ein paar kleine Schritte, bei denen jeder etwas findet, dass er umsetzen kann.

1. Sich auskennen/Informieren
Almightyyy Internet! Geh los und recherchiere! Schau Dokus, lies Artikel, lies Blogs. Bleib auf dem neusten Stand. Abonniere Seiten, die dich darüber informieren.

2. Weniger Konsumieren
Dir ist es finanziell nicht möglich auf Fairtrade zu achten? Wieso nicht überlegen, ob du das Teil überhaupt brauchst und kaufen möchtest? Oder wie viele Teile du brauchst: Ein besseres, länger haltbares Shirt statt 5 Günstige macht nämlich auch einen Preisunterschied.
Mach dir außerdem mal Gedanken darüber, was du eigentlich kaufst. Was steckt da an Inhaltsstoffen drin, wo wurde es hergestellt, was weißt du über das Unternehmen, wie ist die Qualität.. und so weiter. Du wirst merken, dass das dein Kaufverhalten ziemlich beeinflusst.

3. Frische Lebensmittel kaufen
Das ist eigentlich am nächstliegendsten: Kaufe (ab und zu / immer öfter / ausschließlich) frische, regionale und saisonale Lebensmittel. Das ist oft genau so teuer oder sogar günstiger und am besten dann ohne Plastiktüte 😉 (Es gibt keine Ausreden, lern kochen :D)

4. Recyceln /  Gebraucht kaufen und verkaufen
Wie wäre es wenn du den Kram, den du nicht mehr brauchst nicht einfach wegwirfst, sonder zum Beispiel auf ebay Kleinanzeigen oder auf dem Flohmarkt weiterverkaufst. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern auch gut für den Geldbeutel. Genauso gut kannst du Dinge weiterverschenken und Mitmenschen eine Freude machen. Andersherum funktioniert das auch: Überleg dir bei der nächsten Anschaffung ob es unbedingt neuwertig sein muss oder ob du es nicht lieber gebraucht kaufen möchtest. Auch da freut sich der Geldbeutel. 😉

5. Das Thema ansprechen
Der einfachste Punkt: Rede darüber! Sprech das Thema in deinem Freundeskreis, mit deinem Partner oder in deiner Verwandtschaft an. Du wirst überrascht sein, was für Gedanken sich die Leute um dich herum so machen.

Aber versteht mich bitte richtig; ich bin auf diesem Thema auf keinen Fall ein Vorbild und stehe auch erst gaaanz am Anfang. Ich versuche aber euch an meinen Fehlern teilhaben zu lassen, damit ihr und ich was draus lernen. Und vielleicht hat ja jemand von euch noch einen guten Tipp, den er hier anfügen möchte? Wie geht es euch mit dem Thema? Beschäftigt euch das?